Wien ist anders - ich auch
Impressum
Monika Henzinger
Monika Henzinger
Monika Henzinger
Monika Henzinger
Monika Henzinger
Monika Henzinger
© Florian Stecher

Gemeinsame Themen sind wichtiger als Nationalitäten

Monika Henzinger

Informatikerin, Fakultät für Informatik

Was lösen die Begriffe ‚Diversität’ (Vielfalt) und ‚Identität’ in Ihnen aus?
Diversität verspricht unterschiedliche und interessante Eindrücke. Jeder Mensch, jedes Land, jede Stadt hat eine eigene Identität. Wien’s Identität macht sich für mich daran fest, dass es eine westliche Weltstadt ist, die gegenüber Osteuropa sehr offen ist. Kunst, Kultur und Musik tragen dazu bei, sie einzigartig und vielfältig zu machen.

Wie schwer oder leicht fällt es Ihnen, Personen zu begegnen, die Ihnen ‚anders’ oder befremdlich erscheinen?
Ich bin eine neugierige Person und freue mich, wenn ich mit ‚anderen’ Menschen in Kontakt komme. Und ich bin es nach 14 Jahren, die ich in den USA gelebt habe, auch gewohnt. Dort war es fast normal, Leuten mit verschiedenen Nationalitäten zu begegnen. ‚Fremd’ ist für mich eher eine Person, die in einem anderen Fach arbeitet als ich. ‚Anders sein’ bedeutet für mich weniger, wo man herkommt, sondern eher womit man sich beschäftigt. Die Frage ‚Worüber kann ich mich mit jemanden unterhalten?’ ist wichtiger als die Herkunft.

Welche Erfahrungen haben Sie mit ‚fremd sein’, sich ausgegrenzt fühlen?
Seit ich mit 23 Jahren Deutschland verlassen habe, bin ich eigentlich immer Ausländerin. In den USA war ich gut integriert, aber in der französischen Schweiz war es schwerer. Sprachbarrieren machen den Alltag wirklich schwierig – und manchmal auch teurer, wenn man als Ausländerin bei manchen Behörden mehr zahlen muss als InländerInnen.

Wann fühlen Sie sich fremd in Wien?
Mein Mann und meine Kinder haben einen österreichischen Pass – ich nicht. Ich war die einzige der Familie, die zu der MA-irgendwas musste, als wir nach Wien gezogen sind, um mich ‚zu erklären’. Ich musste begründen, warum ich hier leben moechte und einen Arbeitsnachweis bringen. Die Argumentation über das Berufliche sei besser, als über das Private – dass ich mit einem Österreicher verheiratet bin würde noch weitere Dokumentation erfordern. Immerhin hatte ich bei all den Amtsgängen hier immer den Vorteil, dass ich deutsch spreche.

Wo in Wien fühlen Sie sich ‚zugehörig’ und angenommen?
Immer in der Arbeit. Unabhängig davon in welchem Land ich lebe, ist es immer dort wo ich meine Leistungen bringen kann, wo ich mich akzeptiert und geschätzt fühle.

Wo in Wien trifft man ganz unterschiedliche Leute und hat den Eindruck, dass Wien eine Weltstadt ist?
Der Stephansplatz, die Innenstadt ist sehr bunt. Ich habe den Eindruck, dass in all den Museen, Kirchen und Schlössern in Wien alle willkommen sind und niemand ausgegrenzt wird. Ich kenne keine Orte in Wien, wo ich mich ausgegrenzt fühle, aber vielleicht ist es als Europäerin einfacher.

Sie leben als Deutsche in Wien. Wie sehen Sie sich selbst?
Ich fühle mich als Europäerin. Die kulturellen Unterschiede nehme ich hier weniger wahr als in den USA, wo sich die zwischenmenschlichen Kontakte schwieriger gestalteten, da die Verhaltensmuster von US-BürgerInnen und EuropäerInnen oft unterschiedlich sind. Zum Beispiel fand ich manches lustig, was in Amerika als politisch unkorrekt galt.
In der französischen Schweiz fiel mir auf, dass eigentlich alle unsere Freunde auch AusländerInnen waren. In Wien ist es anders.

Ändert sich Ihre Identität in unterschiedlichen Umgebungen / Situationen?
Hier bin ich Professorin, wenn ich nachher meine Töchter abholen gehe, bin ich Mutter. Man hat verschiedene Rollen im Leben und passt sich an die jeweilige Situation an.


Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und TechnologiefondsStadt Wien, Wien ist anders