Wien ist anders - ich auch
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Umyma Eljelede
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Umyma Eljelede
© Florian Stecher

Ohne Angst leben

Umyma Eljelede

FGM-Expertin bei FEM-Süd

Was lösen die Begriffe ‚Diversität’ und ‚Identität’ in Ihnen aus?
Ich denke an mein Leben. Ich lebe hier in Wien, habe eine andere Muttersprache, eine andere Farbe, eine andere Mentalität. Ich denke an die Anteile in mir, die mich in meiner ursprünglichen Kultur, in meiner früheren Heimat und in meiner Ausbildung beeinflusst haben, die tief in mir leben. All diese Erfahrungen, die mich ausmachen.

Wie schwer oder leicht fällt es Ihnen, Personen zu begegnen, die Ihnen ‚anders’ oder befremdlich erscheinen?
Manchmal ist es schwer einen Zugang zu den Menschen zu finden, aber leicht für mich sie zu akzeptieren wie sie sind. Schwer, weil ich nicht weiß, was für sie wichtig ist, was sie über meine Hautfarbe und meine Religion denken. Leicht, andere, ganz andere zu akzeptieren, weil ich neugierig bin und ein großes Interesse habe, ihr Leben kennen und verstehen zu lernen. Damit bleibt nichts und niemand wirklich fremd. Am Ende sind wir alle Menschen. Mit ähnlichen Emotionen und Erwartungen. Alle wollen verstanden und respektiert werden.

Welche Erfahrungen haben Sie mit ‚fremd sein’, sich ausgegrenzt fühlen?
Wenn ich in meiner eigenen Welt gefangen war und andere als ‚fremd’ wahr genommen habe und nur mit meinem kulturell geprägten Blick gesehen habe, dann habe ich mich ausgegrenzt gefühlt. Dieses Gefühl habe ich nicht mehr.

Wo / Wann fühlen Sie sich fremd in Wien?
Als ich auf der Strasse nach dem Weg gefragt habe und ich zweimal keine Antwort, sondern nur einen bösen Blick bekommen habe, da hat mir mein Herz weh getan. Ich war traurig und enttäuscht – aber fühlte ich mich fremd?
In der Straßenbahn wurden Mama und ich von einer Frau einfach so beschimpft, so laut, es war so unangenehm.
Ausgegrenzt habe ich mich gefühlt, als ich mich für die geplante Klinik für MigrantInnen beworben habe. Ich wurde von einer Ärztin und zwei Ärzten, die die Klinik leiten wollten, befragt. Ich wurde nicht genommen und einer der beiden Ärzte, sagte mir dann warum: der zweite Arzt meinte, er wolle keine schwarze Ärztin und Muslimin im Team haben. Der Arzt, der mit mir sprach, war darüber sehr wütend.

Welche Erfahrungen haben Sie mit ‚zugehörig sein’, sich angenommen und eingebunden fühlen?
Wo / Wann fühlen Sie sich zugehörig in Wien?

Ich habe Freundinnen und Freunde in Wien gefunden, die meinen Weg leichter gemacht haben und mir das Gefühl gegeben haben, gut zu sein. Bei meiner Arbeit bei FEM Süd fühle ich mich sehr eingebunden und spüre die Unterstützung von meinem Team. Glücklich war ich auch, als sich Frau Ministerin Frauenberger persönlich bei mir für meine Arbeit bedankt hat. Da spürte ich: ich gehöre zu diesem Team und zu dieser Stadt. Oder als Margit Fischer mich voller Wertschätzung und so freundlich vorgestellt hat bei einem Vortrag vor dem Frauenrat. Ich fühlte, dass es keine gegenseitigen Vorurteile gibt.

Wo in Wien trifft man ganz unterschiedliche Leute und hat den Eindruck, dass Wien eine Weltstadt ist?
Ich finde am Stephansplatz, und ich sitze gerne draußen bei Zanoni+Zanoni, dem Eissalon in der Rotenturmstrasse. Ich mag den Rathausplatz sehr, da ist immer viel los und so unterschiedliche Menschen, überhaupt die Gegend um das Parlament, den Volksgarten und den Volksgarten Pavillon. Ich bin auch gerne auf der Mariahilferstrasse und in der SCS. Alle Flohmärkte ziehen mich in Wien an und die Nationalbibliothek. Dort fühle ich mich wohl. Auch in der Servitenkirche, um eine Kerze anzuzünden und dann am Platz davor zu sitzen. Am Nationalfeiertag in die Hofburg gehen ist schön – so viele verschiedene Menschen- und im MuseumsQuartier oder im Park in Oberlaa sein. Das sind solche Orte für mich.

Sie sind vor 6 Jahren nach Österreich gekommen, leben seit dieser Zeit in Wien: Wie beschreiben/sehen Sie sich selbst? Wie würden Sie sich selbst und Ihre Identität beschreiben?
Ich lebe nicht ganz als Österreicherin, aber habe viel von diesem Leben hier aufgenommen. Hier gehe ich alleine oder mit Freundinnen und Freunden in Lokale - das finde ich, passt zu mir. Ich lebe hier ohne Angst. Ich kleide mich wie ich will. Ich lebe in Freiheit, in Sicherheit, ohne Angst. Ich bin hier keine ‚Frau’ auf der Strasse, sondern ein Mensch. Als das fühle ich mich.

Wie wichtig ist Ihre Identität für Sie? Ändert sich sie sich in unterschiedlichen Umgebungen / Situationen? Wie gehen Sie damit um?
Für mich gibt es eine Identitäts-Basis. Ja, ich komme aus Afrika und ich bin Muslimin. Ich versuche die negativen Seiten davon zu verändern. Ich muss als afrikanische Frau nicht hinter einem Mann gehen, sondern kann neben ihm gehen. Afrikanische muslimische Frauen müssen nicht beschnitten werden, um eine Identität zu haben. Beschneidung ist eine gesellschaftliche Identität in vielen Ländern Afrikas und arabischen Ländern.
Durch mein Leben in einer anderen Kultur, sehe ich mit anderen Augen die eigene Identität und kann entscheiden: was ist gut für mich und was nicht.


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